Die Insel (5)
von Garland - 1. September 2010 02:09Es war 14 Tage nach Marcos Ankunft. Das außergewöhhnlichste Ereignis in der vergangenen Zeit war ein mittelschwerer Sturm gewesen, den jedoch alle gut überstanden hatten. Beim Ausnehmen der frisch gefangenen Fische ergab sich eine neue Diskussion.
Miriam: “Mit welchem Recht töten wir eigentlich Tiere um sie zu essen?”
Simon: “Mit dem Recht des Hungrigen.”
Marco: “Weil wir sie essen müssen um zu überleben.”
Miriam: “Aber was macht unser Überleben wichtiger als das der Fische?”
Simon: “In deren Augen vermutlich gar nichts.”
Miriam: “Und sonst?”
Marco: “Ich fürchte das ist ne schwierige Frage. Ich würde vielleicht sagen, dass wir eben auch nur unseren Platz in der Evolution einnehmen und es uns mit auf den Weg gegeben ist, Tiere zu essen.”
Miriam: “Das klingt irgendwie mehr nach dem Abschieben der Verantwortung als einer guten Antwort.”
Marco: “Ich bin auch nicht sicher ob es eine gute Antwort gibt. Zu den Spielregeln des Lebens auf der Erde gehört es offensichtlich, den Fortbestand seiner eigenen Spezies zu sichern und dafür auch auf die Ressourcen zurückzugreifen, die andere Lebewesen bieten.”
Miriam: “Du sagst also jede Art auf der Erde sollte nur auf seine eigenen Artgenossen Rücksicht nehmen, der Rest kann als bloße Ressource angesehen werden?”
Marco musste kurz lachen.
Marco: “Es klang wohl radikaler als ich es meinte. Aber als Mensch fühle ich mich in erste Linie den Menschen, einschließlich mir selber, verpflichtet.”
Hannah: “Im Grunde ist es tatsächlich etwas schade, dass fast alles Leben nur existieren kann indem es anderes Leben vernichtet.”
Miriam: “Man könnte Vegetarier werden!”
Marco: “Pflanzen sind auch Leben. Zumal es auch Pflanzen gibt die sich ihrerseits wieder von Tieren ernähren oder sie anderweitig zu deren Schaden benutzen.”
Hannah: “Aber ich finde man kann das auch andersherum, positiver sehen: Wir sind als Teil eines Kreislaufes verbunden mit allem Leben. Durch die Nahrung lassen wir es Teil von uns werden und später wenn wir sterben kehren wir wieder in den Kreislauf zurück.”
Marco: “Naja, das wird mir jetzt tendenziell schon ein bisschen zu religiös oder esoterisch.”
Simon: “Wenn du keine Lebewesen essen möchtest, Miriam, wird es denke ich schon in der Zukunft eine Lösung dafür geben.”
Miriam: “Welche?”
Simon: “Ich habe vielleicht ein bisschen zu viel Star Trek geschaut, aber was hält uns denn davon ab irgendwann mit Solarenergie oder Kernfusion Nahrungsmittelreplikatoren zu betreiben, die unsere Nahrung auf molekularer Ebene zusammensetzen. Dafür bräuchten wir nichts lebendiges mehr. Wir würden unseren Körper dann über einige Umwege durch die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium versorgen!”
Miriam: “Ich glaube damit kann man das Problem hinter meiner ursprünglichen Frage zwar umgehen, aber ne Antwort ist das auch nicht.”
Simon: “Zugegebenermaßen…”
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Zum Thema: Siehe auch hier zur radikalen Meinung eines ebenfalls fiktiven Charakters.
Ich bin im Moment ziemlich unzufrieden, nicht nur mir diesem Eintrag, den ich überlegt habe gar nicht erst zu veröffentlichen, als auch mit der Insel-Idee allgemein. Das Setting war eine unsinnige/undurchdachte Wahl, die inzwischen mehr erschwerend als nützlich erscheint. Es ist weiterhin schwierig die Positionen den Charakteren so zuzuordnen, dass es annährend konsistent im Charakter bleibt und das wird nicht einfacher werden.
Es war ja ein Versuch, moralische und ethische Probleme in Gesprächsform zwischen fiktiven Personen mit verschiedenen Meinungen ein wenig darzustellen.
Möglicherweise werde ich es das nächste mal wieder “direkt” versuchen und nicht mit der Serie fortfahren.



“Willkommen auf der Insel”.